Teil eines Werkes 
4. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

bekannt in der Gegend, hoffte er doch, irgend eine Menſchenſeele zu finden, die ſich ſeiner gegen gute Be⸗ lohnung annähme.

Mit friſchem Muthe ging er nun an das ihm noch übrigbleibende Geſchäft, den Strick, der ſeine Füße zu⸗ ſammenſchnürte, mit dem Steine zu durchſcheuern.

Als er auch dieſer letzten Feſſel ſich ledig fühlte, ſprang er auf, die Arme nach den leichten Nachtwolken ausſtreckend, die in der unermeſſenen Höhe ſchwammen.

Daß ich gerettet bin vom gewiſſen Tode, iſt jmir das Zeichen, daß Du, Gott, die Rache an dem Elenden in meine Hände legſt, der mich ins Grab betten ließ, wie er auch Marie, mein treues, ſchuldloſes Weib, ge⸗ tödtet hat. Und ich will ſie an ihm vollbringen höre mich, rettender Gott ich will, ich will!

So raſch, als der naſſe Zuſtand ſeiner Kleider es geſtattete, eilte er dem Praterwalde zu.

Er mußte eilen, die wenige Hellung in der Luft nahm merkbar ab; aber das Glück begünſtigte ihn. Kaum hatte er den Saum des Praterwaldes erreicht, als er das dumpfe Brüllen einer Kuh hörte. Wie einem Freudentone hörte er dieſem ſich wiederholenden Brüllen zu und verfolgte einen Pfad, der ihn nach einem einſamen Waldwärter⸗ oder Forſtläuferhauſe führte.

2