Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
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fuhr Frau Binſe immer heftiger ſich ereifernd fort. Man hat auch'ne gewiſſe Reputation. Was? Ein alter Drache ſein und dann noch'n Weibsbild, mit dem ſich der Herr Durchlaucht einen Jux macht? Das greift an die Nieren. O meine allerfürtrefflichſte, gnä⸗ digſte Frau Durchlaucht, ich bin eine blutarme Weibs⸗ perſon, aber das kann ich nicht auf mir ſitzen laſſen, das wäre ein Hauptnagel zu meinem Sarge, und eben deswegen komme ich her, um meine allerfürtrefflichſte, gnädigſte Frau Durchlaucht unterthänigſt zu bitten, mir beizuſtehen, daß der Schimpf von mir genommen wird. Es wäre ja ſchauderhaft, wenn ich mir bei jedem Aufſtehen des Morgens und bei jedem Zubette⸗ gehen ſagen müßte: Du biſt keine reputirliche Frau mehr, ſondern'n alter Drache und'ne Perſon, mit der man ſich einen Jux macht.

Ich kann da nichts thun, Frau Binſe, antwortete die Fürſtin.Was in aller Welt verlangt Ihr Leute nicht Alles von mir! Wenn ich nur die Hälfte von alledem, was ich bei meinem durchlauchtigen Gemahl für Euch durchfechten ſoll, vertreten wollte, ſo würde ich unter allen Frauen in Deſſau die traurigſte Auf⸗ gabe und keine frohe Stunde meines Lebens haben. Ihr Geſuch an mich, Frau Binſe, gehört unter die ge⸗ haltloſeſten und ich weiſe es daher entſchieden zurück.