Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
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Vorbedeutung, ein verſchloſſenes Gemüth gegen Perſonen

zu zeigen, die demſelben wohlwollend entgegenkommen. Ach, meine gnädigſte Durchlaucht, wie ſoll ich's

denn ſagen, was nein, nein, ich kann es nicht.

So behalte Sie das, was Sie mir nicht ſagen zu können glaubt, auf dem Herzen, entgegnete die hohe Frau unmuthig.Es müßte ja lächerlich ſein, wollte ich Ihr zureden, offenherzig gegen mich ſich über etwas auszuſprechen, das Ihr beim Verſchweigen ſelbſt ſo vielen Schaden bringt, denn derjenige, dem die Theil⸗ nahme Anderer nicht das Herz zu erſchließen vermag, iſt doppelt unglücklich, weil er ſich vereinzelt.

Da Anna noch in ihrem Schweigen verharrte, ſprach die Fürſtin kurz:Setze Sie ſich ans Fenſter und ar⸗ beite Sie an der Stickerei fort.

Anna that, dem Befehle gehorchend, einige Schritte um den inmitten des Zimmers ſtehenden Tiſch, welcher eine Vaſe mit einem großen, friſch duftenden Blumen⸗ ſtrauße trug, den der Schloßgärtner an jedem Morgen erneuen mußte. Frau Annalieſe bemerkte, daß das Fräulein in großer Erregung ſei, denn es zitterte und der Schritt war ſchwankend; aber ſie glaubte, dies Beben deute eine Kriſis an, die einem Durchbruch zur Offenherzigkeit vorangehe, deshalb ſprach ſie kein Wort weiter zu ihr. Von ſelbſt mußte Anna ver⸗