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Leupold, denn laut königlichen Decrets war er ſofort in ſeiner hohen Stellung beſtätigt worden und hatte den Auftrag erhalten, in Magdeburg und Halle die Truppen dem neuen König ſchwören zu laſſen. Er ſah in dieſem Auftrage die Gewißheit, daß der kriege⸗ riſche Geiſt, der unter dem vorigen Herrſcher ſo über⸗ wiegend vorgewaltet hatte, auch unter dem neuen Monarchen Alles überflügeln werde, und dieſe ſchöne Vorausſicht, die ſich darauf ſtützte, daß Friedrich kein Krieger ſei, verlieh ihm große Heiterkeit, weil es ja gar nicht anders kommen konnte, als daß dieſer ihn, die leitende Seele des kriegstüchtigen preußiſchen Heeres, als ſeinen Rathgeber fürs Künftige betrachten müſſe.
So heiter und guter Dinge hatten die Garniſonen von Magdeburg und Halle ihren alten Schwerenöther noch nicht geſehen. Er war ungemein gnädig geſtimmt. Sein ſchönes Regiment in Halle führte er vor die Stadt aufs freie Feld und hielt nach geſchehener Eidesleiſtung feierlich, als kehre er von einem großen Siege zurück, ſeinen Einzug in die Stadt. Dann eilte er nach ſeinem Deſſau. Es lag ihm viel daran, mit Frau Annelieſe ſich über die, wie er glaubte, zu ſeinen Gunſten ver⸗ änderte Ordnung der Dinge zu beſprechen.
Die Fürſtin hatte an dieſem Tage eine höchſt un⸗ liebſame Entdeckung gemacht. Anna von Audritzky, der
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