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lernen können. Tiefer Ernſt breitete ſich über das Antlitz des jungen Königs, keine Aufregung markirte ſich in ſeiner feſten und ruhigen Haltung. Dies ſchon zog eine unüberſteigbare Schranke um ihn und deutete dem alten Deſſauer an, daß jetzt eine ſcharfe Reſpektsgrenze in dem Verhältniß zwiſchen Herrſcher und Vaſall beſtehe; aber der Fürſt merkte es nicht, ſein leidenſchaftlicher, ungeſtümer Schmerz um den verlorenen Freund, durch den er eine entſchiedene Geltung in wichtigen Ange⸗ legenheiten des Staates erlangt hatte, verblendete ihn gänzlich.
Faſt heulend wie ein Kind rief er:
„Majeſtät! Majeſtät! Wir haben alle beide einen ſchweren Verluſt zu beklagen. Ach, welches Unglück für uns beide und für das Land! Ich bin total nieder⸗ geſchmettert von dieſem Todesfalle; aber ſo groß auch mein Schmerz um meinen lieben Herrn und König iſt, der allergnädigſt mir ſeine erhabene Freundſchaft ge⸗ ſchenkt hat, weil er wohl wußte, daß er auf ſeinen Deſſauer Felſen bauen konnte, ſo treibt mich's doch her, Eurer Majeſtät mein unterthänigſtes Beileid auszu⸗ ſprechen.“
„Faſſen ſich Eure Liebden“, ſprach König Friedrich. „Ihre Thränen machen Ihre Worte unverſtändlich.“
Dieſe ruhig geſprochene Mahnung machte Herrn 1*


