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gebracht, das Berberroß mit Sattel und Zeug für die Durchlaucht von Deſſau auszuſtatten, legten dem ſchönen Thiere eine gelbe Schabracke und einen blauen Sammt⸗ ſattel auf.„Ach, dieſe Hundsfötter!“ eiferte Seine Ma⸗ jeſtät.„Wenn ich geſund wäre, ſie ſollten meinen Stock fühlen!“
Die jähzornige Aufwallung erſchöpfte im Nu die zuſammengeraffte Kraft des Königs, ſein Haupt ſank zurück an die Lehne des Rollſtuhls. Tiefe Stille herrſchte im Gemach. Dann aber, als er ſich wieder erholt hatte, wurden auf ſeinen Wink die Flügelthüren geöffnet, die Königin mit der Familie trat ein. Längs der Wand zu beiden Seiten der Thür poſtirte ſich die auf ſeinen Befehl heute in ihrer neuen Livree pa⸗ radirende Dienerſchaft.
Es erfolgte jener wichtige Staatsact, mit dem der Sterbende ſich jeder im Leben beſeſſenen Macht und Würde entkleidete. Der Kabinetsminiſter von Podewils übergab in deſſen Namen dem Kronprinzen in kurzer Anſprache die Regierung, indem er ihm zugleich Krone, Scepter und die Schlüſſel zum Schatze überlieferte. Noch einige Worte ſprach der ſeiner Herrlichkeit als Regent entkleidete Monarch zu ſeinem Sohne, aber eine Ohn⸗ macht machte dieſer geiſtigen wie körperlichen Anſtren⸗ gung ein ſchnelles Ende.


