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Räume deſſelben gefüllt waren von Miniſtern, Hof⸗ beamten und Offizieren.
Leiſe öffneten ſich die Flügelthüren des königlichen Gemaches und paarweiſe, jedes Geräuſch vermeidend, zogen ſie ein, von ihrem ſterbenden Herrn und König den letzten Abſchied zu nehmen. Er wollte ſie alle noch einmal ſehen, mit denen er gelebt und geſchafft nach ſeinem beſten Denken, und wenn ihm ein Lohn noch am Markſteine ſeiner Tage werden konnte, ſo waren es die Thränen, welche über die Geſichter der Män⸗ ner rollten. Mit den meiſten derſelben war er ſeit ſeiner Kindheit bekannt und viele trugen den Schnee des Alters auf dem Haupte.
Nach dieſer ſchmerzlichen Abſchiedsproceſſion, die ihn tief ergriffen, die er aber nicht hätte miſſen mögen, bedurfte er einer langen Ruhe, der Quell des Lebens ſchien an Verſiegen; aber es war noch ſo viel zu thun, und er war ein arbeitſamer König geweſen ſein Leben lang. Seine hohen Offiziere, die Mitglieder des Tabaks⸗ collegiums, traten ein. Nur diejenigen, welche Herrn
. Leupold von Deſſau an dem Tage geſehen, wo er mit ſeinen Halleſchen Muſtergrenadieren in den Bernburger Schloßhof einrückte, um das ſchöne Regiment ſeiner von ihm ſo herzinnig geliebten Louiſe zum letzten Male vorzuführen, und wie er, heiße Thränen vergießend


