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daß ihn der Gedanke an Zurückſetzung für die vielen Verdienſte, welche er ſich um die Krone Preußen erwor⸗ ben, tief empörte.
Indem er jetzt mit dem kaiſerlichen Geſandten ver⸗ traulich im Garten promenirte, geſchah das keineswegs, weil er dieſem einen beſondern Einfluß auf die Maß⸗ nahmen des Kaiſerhofs zutraute, im Gegentheil war er durch die auch gegen ſeine Perſon fein angelegten Intriguen des frühern kaiſerlichen Geſandten Grafen von Seckendorf belehrt, wie weit dieſen diplomatiſchen Herren überhaupt Glauben an die Aufrichtigkeit ihrer guten Meinungen zu ſchenken ſei, ſondern um aus den gelegentlichen Aeußerungen Liechtenſtein's zu erfahren, wie dieſer den neuen König beurtheile, welches Pro⸗ gnoſtikon er deſſen hoher Laufbahn ſtelle.
Liechtenſtein war kein geriebener Seckendorf, dem⸗ zufolge alſo zu erwarten, daß deſſen Anſchauung, ſo vorſichtig ſie auch gegeben wurde, doch hin und wieder ſich nicht in den ſtreng gezogenen engen Schranken halten würde, die als ein uneinnehmbares Bollwerk ſeine wahre Anſicht ſchützen konnten. So glichen beide einem Gladiatorenpaar, welches alle Aufmerkſamkeit aufbietet, um gegenſeitige Schwächen zu erſpähen.
In den Tagen eines bevorſtehenden Thronwechſels gleicht wohl jeder Hof, der größte wie der kleinſte
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