Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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zu bringen war, ſo erkannte Herr Leupold doch, daß die ſonſt ſo glatte Stirn Friedrich's wie von Schatten bedeckt erſchien.

Der alte Deſſauer fühlte ſich nicht beſonders von dem flüchtigen Studium erbaut, welches er eben an ſeinem Pathen gemacht hatte. Damals, am 31. Ja⸗ nuar 1712, wo er bei dem Sonntagskinde Friedrich die zu Pathen geladenen Generalſtaaten vertreten, hatte er freilich keine Ahnung gehabt, daß nach acht⸗ undzwanzig Jahren ein Tag kommen würde, wo er fürchten müſſe, daß derſelbe Täufling, zum Manne erwachſen, ſeinem Ehrgeize, ſeinem Drange, der erſte im Rathe zu ſein, Wunden ſchlagen könne. Jetzt war er voll dieſer Beſorgniß.

Gegen den ſchlanken, ebenmäßigen Wuchs des Kron⸗ prinzen und deſſen ſtolze, männliche Haltung, welche als Andeutung eines feſten, unerſchütterlichen Charak⸗ ters zu betrachten war und von dem Schimmer der noch jugendlichen Friſche augengefällig gehoben wurde, ſtach ſeine Gemahlin freilich zu ihren höchſten Ungunſten ab.

Dieſe hohe Dame von großer Geſtalt, aber plump von Wuchs und unſchön in ihrer Haltung, beſaß aller⸗ dings ein wahrhaftes Engelsantlitz von blendender Weiße und lebhaftem Roſenſchimmer auf den Wangen. Ein ſo kindlich guter Zug lag in ihrem von blondem,

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