Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

181

than, daß ich ihn für leichtfertig und voll luftiger Grundſätze hielt.

Wie? fragte Herr Leupold hoch aufhorchend.

In den paar Tagen jetzt iſt mir's erſt klar ge⸗ worden, daß er ein ganzer König ſein wird.

Dieſe Unterredung endete, da Kronprinz Friedrich mit ſeiner Gemahlin ins Gemach trat. Des Königs gütiger auf ſeinen Sohn gerichteter Blick beſtätigte die über denſelben eben erſt geäußerte Meinung.

Ich führe meinem allergnädigſten Herrn und Vater meine Gemahlin zu, welche von dem Wunſche durch⸗ drungen iſt, Eurer Majeſtät ihre unterthänigſte Ver⸗ ehrung zu bezeigen.

Herr Leupold, durch ein Kopfnicken des Kronprin⸗ zen begrüßt, trat vom Bette des Königs zurück; aber ſein ſcharfer Blick hatte im Nu die äußere Erſcheinung des jugendlichen Thronfolgers, den er ſeit jenem denk⸗ würdigen Abende im Tabakscollegium nicht wieder geſe⸗ hen, aufgefaßt, als gälte es, an ihm ein Studium zu machen, und er hatte dabei nicht Unrecht, denn ein gro⸗ ßer Wechſel in den Verhältniſſen prägt nicht ſelten im Aeußern des Betreffenden auch die Veränderung ſeiner Geſinnungsweiſe in ſcharfer Marke aus.

Der Kronprinz zeigte ſich ernſt, und wenn dieſer Aus⸗

druck meiſt auch auf Rechnung der jetzigen Situation