Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Sie doch, Herzensweibel, bleib' Sie! Man kann ja Alles mit einander beſprechen, wenn man ſich nur recht zu⸗ ſammen verſteht und— ſtraf mich Gott, ich bin ja kein Kerl, der ein ſo großer Dummkopf iſt, daß er ſich ſelber ſchlägt. Sei Sie einmal recht aufrichtig gegen mich, verſteht Sie, ſo, als wenn Leib und Leben davon abhinge. Meint Sie denn, daß mit uns beiden etwas werden könnte? He?“

Frau Doris durfte dieſen günſtigen Augenblick, in welchem ſich ihr die Möglichkeit bot, einen gegen ihren Schwager geſponnenen Verrath, welcher Art er auch ſein mochte, zu erfahren, nicht entſchlüpfen laſſen. Der Rieſe mußte getäuſcht werden. Dies war eine Noth⸗ wendigkeit und ſie fühlte die Ueberzeugung in ſich, daß ihr dies gelingen werde, ohne ſich durch ein feſt gege⸗ benes Verſprechen zu binden. Wenn die klügſten und weiſeſten Männer vor ſchönen oder auch nur hübſchen Frauen, wie es ſo viele Beiſpiele gibt, dem unbefan⸗ genen Blick, der Klugheit ſchon den Laufpaß gegeben und ſich ſelbſt Ketten geſchmiedet haben, deren ſie ent⸗ weder nie oder nur mit großen Opfern ledig werden konnten, warum ſollte nicht auch dieſer liebeſüchtige Goliath der kalten, wohl überlegenden und ſondirenden Vernunft einen Triumph über eine ſo verwirrende Lei⸗ denſchaft bereiten?