Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Der Moment der Auflöſung des kranken Monar⸗ chen rückte näher; der Monat Mai, welcher ſeine Blü⸗ ten zu Freud' und Luſt der vom Winter hart be⸗ drückten und eingeengten Menſchenherzen ausſtreut und linde Lüfte über die vom langen Schlummer unter Eis und Schneemaſſen erwachten Felder und Wieſen hinſendet, den Wäldern friſches Arom entquellen läßt und allen lebenden Weſen friſche Lebensluſt einhaucht, brachte ihm weder Blüten noch linde Lüfte, ſondern erhöhte Schmerzen. Sein troſtloſer Zuſtand verſchlim⸗ merte ſich von Tage zu Tage, aber die zähe, hartnäckige Kraft in ihm machte ihn dem tropfenweiſe geſpeiſten Docht gleich, deſſen Flamme immer düſterer zwar, aber dennoch fortbrennt.

In Berlin curſirten mit jedem neuen Tage die ſich widerſprechendſten Nachrichten. Eine davon war aber ſicher. Der König hatte den Hofprediger Cochius und den Feldprediger Oesfeld kommen laſſen, daß ſie ihn zum Sterben vorbereiteten; doch es war noch kein Kurier von Potsdam nach Rheinsberg abgeſchickt wor⸗ den, um den Kronprinzen herbeizurufen. Nur dies allein war das Zeichen, daß ſein Tod mit jedem Tage zu erwarten ſei. Dieſe Ungewißheit hielt die Berliner gewiſſermaßen in Aufregung.

Herr Homilius hatte ganz beſondere Urſache dazu, den