4
Herr ſelbſt den größten Spectakel vollführte, indem er ſeine Söhne exercirte und Prinz Moritz, ſein Liebling, mit einer Truppe kleiner Grenadiere in ſeinem Alter faſt zu allen Stunden des Tages darin herumtrommelte und Evolutionen ausführte, bei denen ſein durchlauch⸗ tiger Papa mit Stentorſtimme zu commandiren pflegte.
Jetzt waren drei aus dieſem Kreiſe des jungen Nachwuchſes ausgeſchieden: Louiſe, die als Bernburger Fürſtin verſtorbene Lieblingstochter Herrn Leupold's, dem bei der Erinnerung an ſie das Herz ſchwer wurde, denn er hatte ſie ſo innig geliebt, wie ein ſo leiden⸗ ſchaftliches Temperament als das ſeine nur lieben kann. Wie überhaupt Verſtellung und Heuchelei nicht zu ſeinen Eigenſchaften gehörten, denn er war in allen Dingen der Mann von drauf und dran, ſo auch war der tiefe Schmerz um den Verluſt dieſer Tochter ein reiner Klang menſchlichen Schmerzes aus ſeinem Ge⸗ müthe, von deſſen Vorhandenſein in der Regel wenig bei ihm zu verſpüren war. Der Erbprinz war gleich⸗ falls geſtorben und Prinzeß Leopoldine Marie lebte jetzt fern von Deſſau in Schwedt bei ihrem Gemahle, dem Markgrafen von Brandenburg⸗Schwedt.
Der Kinderſegen war aber trotzdem nicht geringer geworden am Deſſauer Hofe. Von der Bernburger Louiſe hatte Herr Leupold gleichſam als theures Vermächtniß
4 4—
*


