3 unterlag dieſem Zauber, wenngleich es zuweilen den Anſchein hatte, als wäre nichts im Stande, ihn zu be⸗ ſänftigen.
Frau Annelieſe beſaß die einem Diplomaten ſo nöthigen Eigenſchaften: unbeirrte Ruhe, die jederzeit im Beſitze des klaren Ueberblicks bleibt und alſo ſchon im voraus ihres Sieges gewiß iſt, und einen ſcharfen Verſtand, welcher die möglichſt günſtigen Chan⸗ cen aufzufinden verſteht, um irgend einen Vortheil zu gewinnen, der eine unangenehme Situation zum Aus⸗ gleich zu bringen im Stande iſt. Hatten auch die vor⸗ gerückten Altersjahre den äußern Nimbus, auf den ſie einſt ſtolz ſein konnte, zerſtört, den letzten Hauch der ehemaligen Jugendfriſche von ihr abgeſtreift, ſo hatte ſie dafür ein freundliches Matronenthum gewonnen, über dem noch jetzt wie in ihren frühern Jahren der Kraft und Schönheit ein Hauch weiblicher Anmuth ſchwebte, und dieſer machte ſie ſchön und liebenswürdig.
Als ihre Familie noch in jenen glücklichen Jugend⸗ jahren ſich befand, die das Sonnenlicht heiterer Sorg⸗ loſigkeit überglänzt, ſchallte der Garten oft wieder von deren friſcher Luſt, ſodaß Herr Leupold ſelbſt zuweilen meinte, es wäre nicht anders, als wenn Beelzebub mit ſeinen Jungen ſein Weſen darin triebe. Dieſer Ver⸗
gleich war in der That ſehr paſſend, weil der alte 1*


