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viel verändert. Freilich war der Garten derſelbe ge⸗ blieben, der er ehemals geweſen, nur daß der Hofgärt⸗ ner hier und da mit den Beeten einige Abänderungen getroffen; aber mit den Perſonen ſelbſt, die ihn beſuch⸗ ten, war Vieles anders geworden.
Herr Leupold und ſeine Gemahlin, die Annelieſe, beide vorgerückt in Jahren, präſidirten vor wie nach ihrer Familie, die ſich vorzüglich in des alten Herrn Gegenwart höchſt reſpectvoll verhielt, denn ſeine Lau⸗ nen waren höchſt wunderlicher Art, und wer davon einmal heimgeſucht worden, der verlangte ſicher nach keiner Wiederholung. Herr Leupold ſtellte in ſeiner Perſon das lebendige Beiſpiel eines immerwährend über den Häuptern ſchwebenden Gewitters dar, das ſeine ſchweren Wolken oft plötzlich entladet und dann wieder ſchweigt, um gelegentlich daſſelbe Spiel zu erneuern. Frau Annelieſe zeigte dagegen in ihrem Verhalten, wie man mit dem wunderlichen Herrn um⸗ gehen müſſe. Sie war das Muſter einer nicht nur klugen, ſondern auch freundlichen Dame, die ſich der Liebe aller verſichert halten konnte. Ihre Weiſe, mit den Leuten zu verkehren, hatte für Jeden etwas Verbind⸗ liches, und dieſem Ausdruck eines edlen Frauenherzens entzog ſich Niemand, ſelbſt ihr Gemahl, ſo grimmig er auch zuweilen aufbrauſte und wüthend ſich geberdete,
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