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„Das Maiſſle, ja, ja, das Maiſſle!“ ſtimmte dieſer lachend bei.„Sollt' man nicht meinen, das Bocherl hätt' ſchon Logik ſtudirt, daß es ganz folgerichtig das Nächſte zum Erſten macht? Sollſt nun auch hören das Maiſſle. Der Herr Doctor hört auch zu.“
„Gewiß.“
Nach einigem Räuspern hob Reb Kaſcher an:
„Vor faſt ſiebenhundert Jahren hat gelebt in Spa⸗ nien ein feiner Dichter Namens Abu Ajub Suleiman ib'n Gabirol. Damals war Spanien noch ein zweites Kanaan für unſer Volk Israel, denn die mohammeda⸗ niſchen Mauren haben es nicht verfolgt um ſeines Glaubens willen, es waren freie Leut', und hochange⸗ ſehene Leut' hat's unter ihnen gegeben, berühmte Aerzte und große Gelehrte, die heut noch nicht vergeſſen ſind. Gabirol iſt einer von den berühmten Leuten geweſen damals, und weil's in den reichen Familien Israels als eine große Ehre angeſehen wurde, unter den zu Mittag geladenen Gäſten auch berühmte Männer zu ſehen, hat einer der reichſten Juden, Moſes, auch gegeben ein Gaſtmahl und Gabirol dazu gebeten. Der Moſes aber iſt geweſen der ſchmuzigſte Geizhals und hat ſeinen Gäſten aufgeſetzt den Wein ſo knapp, daß er gleich beim zweiten Gericht iſt ausgetrunken geweſen. Sie haben ſich mit Waſſer begnügen müſſen, das er ihnen


