Teil eines Werkes 
4. Bd. (1867)
Entstehung
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dem Domplatz aufgeſtellt und erhielt ſofort Befehl zum Ab⸗ marſch. Eine bedeutende Zahl großer Leiterwagen war in den Dörfern am Wege nach Bernburg requi⸗ rirt worden, um den Soldaten den Marſch zu erleichtern.

Es war faſt Mittagszeit, als das Regiment ſtill in Bernburg einrückte. Der Fürſt verließ den Wagen, um ſein Pferd zu beſteigen. Wie Fieberfroſt kam jetzt die Gewißheit über ihn, es ſei die letzte Ehre, die er ſeinem geliebten Kinde erweiſe. Umſtanden von ſeinen vier Söhnen und ſeinen hohen Offizieren fiel der Gewaltige auf die Kniee. Laut ſchluchzend, die Hände hülfeflehend zum Himmel emporhebend, in deſſen lich⸗ tem, wolkenloſem Blau die Sonne als goldfunkelndes Schild ſchwebte, rief er in ſeiner Vaterangſt:

Herr, Gott, ich bin kein ſolcher Lump, der Dir bei jeder Hundsfötterei mit Gebeten beſchwerlich fällt! Ich komme nicht oft, will auch ſobald nicht wieder⸗ kommen; ſo hilf mir denn auch jetzt und laß meine Tochter geſund werden.

Das waren keine ſchön geſetzten Worte aus einem chriſtlichen Gebetbuche, kein Winden und Drehen eines elenden Wurms im Staube vor ſeinem über Alles erhabenen Schöpfer, es war ein aller Zierrath und Schönrednerei entbehrender, aber aus der Tiefe eines Vaterherzens dringender Aufſchrei des unge⸗ 14*