Teil eines Werkes 
4. Bd. (1867)
Entstehung
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Der gewaltige Kriegsführer, der vor dem aus Hunderten von Feuerſchlünden geſchleuderten Tode keine Miene verzog, dem das Schlachtfeld mit ſeinen vor Schmerz ſtöhnenden und winſelnden Verwundeten keinen Schauder erweckte, verlor all ſeine Manneskraft im Nu bei der drohenden Möglichkeit des Todes ſeines Kindes, und Brommer hätte auf dem Wege nach dem Schloſſe aufjubeln mögen vor Luſt, denn eine Stunde vorher war ſeine Tochter mit ihrem Manne und ihren beiden friſchen Buben geſund und wohlbe⸗ halten im Vaterhauſe angelangt. Der Gegenſatz zwiſchen Freude und Jammer war zu grell, um Brommer nicht gebieteriſch Schweigen über ſein Glück aufzuerlegen.

Im Dunkel der Nacht fuhr Fürſt Leupold nach Halle; auf dem Bocke neben dem Kutſcher hatte Brom⸗ mer Platz genommen. Es war eine ſtille, faſt un⸗ heimliche Fahrt, wie eine ſolche in des Fürſten Leben noch nie vorgekommen war. Weder Herr noch Diener gaben einen Laut von ſich; nur das Schnaufen des Viergeſpanns, deſſen gleichmäßige Huftritte und das Geräuſch der rollenden Räder deuteten in der tief⸗

dunklen Nacht das Vorhandenſein einer eilig dahin⸗

fahrenden Equipage an. Mit Tagesanbruch traf der Fürſt in Halle ein. Das Regiment hatte ſich bereits auf