Teil eines Werkes 
4. Bd. (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

159 dem ewig ſich wiederholenden Einerlei ſich gelangweilt fand und kleine Ergötzlichkeiten wie das Drillen und Drangſalen ſeiner Soldaten ihm als nothwendige Er⸗ friſchungen des Gemüths erſchienen, die er ſich, da ſie ſo vollkommen ſeinem Geſchmacke entſprachen, auch nach Möglichkeit zu verſchaffen ſuchte.

In ſeinem Hauſe fehlte ihm, ſeit ſein Liebling Louiſe in Bernburg reſidirte, etwas, das er nicht zu deuten wußte. Es war die Heiterkeit, die ſie Allem, was mit ihr in Berührung kam, mitgetheilt hatte. Wie ein kühlender, herzſtärkender Luftſtrom nach glühendheißen Tagen flößte ihr fröhliches und doch bei aller Kräftigkeit kindliches Weſen ein glück⸗ liches Bewußtſein jedem mit ihr Verkehrenden ein, und der durchlauchtige Vater hatte ſich ſo ſehr an dies luſtige und herzensinnige Kind, das unter ſeinen Augen ſo ſchön aufgeblüht war, gewöhnt, daß ihn die Leere, das Vermiſſen dieſes ihm nur Freude bereiten⸗ den Weſens in ſeiner Familie wie ein Schmerz ergriff und er Alles hervorſuchte, was ihn zerſtreuen konnte. Dies beſtand eben nur in ſeiner Soldatenliebhaberei.

Ganz gegen ſeine Gewohnheit nahm er von dem, was in ſeiner Reſidenz Deſſau vorging, wenig Notiz. Die Kunde, daß Bürgermeiſter Bonnafox eine Toch⸗ ter des Kanzlers von Milagsheim heirathen werde,

*