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über dieſen fortdauernden Irrthum ihrer gnädigen Herrin angekommen.„Ich liebe den Gottfried Langer⸗ mann nicht und habe ihn nie geliebt“, ſagte ſie mit entſchiedener Ruhe.
„Wie? Will Sie mich täuſchen? Den Gottfried Langermann hätte Sie nicht geliebt?“
Regina erkannte, daß ſie eine große Unbeſonnen⸗ heit begangen, der hohen Frau gegenüber das Gegen⸗ theil von deren Meinung zu behaupten. Dieſer Irr⸗ thum ihrer Gebieterin mußte ja der Schutz ihres Geheimniſſes bleiben.„Gnädigſte Frau“, hob ſie mit nicht ganz zu verbergender Verwirrung an,„ich wünſche dem Gottfried Langermann gewiß alles Gute, aber ich—“
Die Fürſtin war von dem Widerſpruch Regina's zu ſehr indignirt, um ihr eine Vertheidigung zu ge⸗ ſtatten.„Schweige Sie!“ rief ſie mit größerer Heftig⸗ keit, als ihrem milden Weſen ſonſt eigen war.„Es iſt die ſchlimmſte Untugend, wenn man ſich aufs Leugnen verlegt. Dergleichen habe ich nicht von Ihr erwartet, es thut mir leid, daß ich dieſe Bemerkung an Ihr machen muß. Ich kann jeden Fehl verzeihen, ich habe Nachſicht mit Jedem, der ſich einer Verblen⸗ dung hingibt; aber nie muß ſich der Fehlende, der in Verblendung Irrende ſo weit vergeſſen, der Wahrheit


