Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
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Es iſt eine üble Gewohnheit, gnädigſte Frau, entſchuldigte ſich Regina mit leiſer Stimme.

Die muß Sie ablegen, meine Gute. Ich warne Sie, denn ich möchte Sie vor allem Uebel behütet wiſſen. Das kann Ihr nur lieb ſein, daß ich Ihr ſo wohl will.

Der ſanfte, herzliche Ton, mit dem die Fürſtin dies ſprach, berührte Regina's Herz ſo ſehr, daß ihr un⸗ willkürlich eine Thräne in den Wimpern perlte, die ſie dem Blicke der hohen Frau nicht verbergen konnte. Sie weint ja, Regina! bemerkte dieſe.

O meine gnädigſte Herrin, rief das Fräulein leiſe,wie könnte ich denn ungerührt bleiben bei ſo vieler Güte, die Sie mir erweiſen!

Freundlich ſtrich die Fürſtin mit der Hand über die Stirn der Sprechenden.Ich denke mir, meine Liebe, da Sie keine Mutter hat, die an Ihr Herz klopfen und dem ſagen kann: Was dich bedrückt, iſt nur eine Thor⸗ heit, von der Du Dich frei machen mußt, iſt es meine Pflicht, Ihr dieſen Mangel zu erſetzen. Ja, ja, das Herz iſt zuweilen ein recht falſcher Rathgeber, darum muß man den Verſtand als unentbehrlichen Stecken und Stab zu Hülfe nehmen. Da gibt's freilich nicht ſelten ein ſchweres Kämpfen und Ringen, aber es iſt doch zum Heile, wenn der Verſtand durchſchlägt, ich