Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
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Urſache gehabt es zu bereuen. Hätte ich danach han⸗ deln ſollen, was ich thörichterweiſe ſelbſt fürchtete und was mir als ganz zuverſichtlich vorhergeſagt wurde, daß ich unglücklich werden würde, ja werden müßte an der Seite eines Gemahls, der alle Form, alle Schranken des Hergebrachten verlachte, deſſen Thun außer dem Kreiſe der Gewöhnlichkeit ſtand, ich hätte nie das Glück kennen lernen, mit vollſter Wahrheit ſagen zu können: der Mann, deſſen Gemahlin ich mit Furcht und Zagen geworden bin, hat mich zu ſeinem Allerheiligſten gemacht. Beweiſt das nicht, wie leicht Täuſchungen möglich ſind und wie unrecht man thut, wenn man Einflüſterungen oder eigenen irrigen Em⸗ pfindungen Folge leiſtet und dem Verſtande den ihm bei allen Handlungen gebührenden Einfluß ver⸗ kümmert?

Es folgte eine Pauſe. Regina arbeitete mit ver⸗ doppelter Emſigkeit; es war nicht ſchwer zu bemerken, daß ſie ſich durch dieſen Redeeingang ihrer hohen Ge⸗ bieterin beängſtigt fühlte, da es wohl von ihr geahnt wurde, wie das von der Fürſtin aufgeſtellte Beiſpiel auf ſie Bezug haben ſolle.

Bücke Sie ſich nicht ſo tief nieder auf die Arbeit, meine Liebe, das verdirbt Ihr die Augen, ſagte die

hohe Frau.