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dem ihr ſo tief verhaßten Bonnafox zu retten, ehe noch der verhängnißvolle Tag komme, an dem ſie deſſen Gemahlin werden ſollte, ſo waren das doch immer nur Sonnenblicke, wie ſie zuweilen zwiſchen Wetterwolken hindurchleuchten, um ſchnell wieder von deren nächtigem Dunkel verhüllt zu werden.
Ihrer fürſtlichen Gebieterin entging die traurige Stimmung nicht, in der ſich Regina befand. Das Wohlwollen, welches dieſelbe für ſie hegte, ließ es ihr als eine ſchöne Aufgabe erſcheinen, das junge Mädchen, deſſen Kummer ſie zu kennen wähnte, aufzurichten. Der Milde der hohen Frau wäre es unmöglich ge⸗ weſen, ein hartes Urtheil über Regina zu fällen, und darum führte ſie eine Gelegenheit herbei, eine ernſtfreund⸗ liche Mahnung ihr ans Herz zu legen. Regina ver⸗ ſtand es, geſchmackvoll und ſauber zu ſticken, und es gab jetzt, wo die Ausſtattung der Prinzeß Louiſe noch nicht ganz fertig war, noch Manches in dieſer Arbeits⸗ branche zu thun. Die Fürſtin liebte es, unter ihrer Aufſicht die Arbeit gethan zu ſehen, und darum be⸗ fand ſich Regina jetzt oft bei ihr im gewöhnlichen Wohnzimmer. 1
Dem jungen Mädchen gegenüber, deſſen liebliches feines Geſicht ſich ſo ernſt und nachdenklich zeigte, nahm die hohe Frau den Standpunkt eines Bergkun⸗


