Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

α 89

+

203

keinen Ausweg fand, dann war die Entdeckung der Wahrheit nicht zu hindern, daß Gottfried Langermann nur der Deckmantel ihrer Neigung zu Hubert ge⸗ weſen ſei.

An Feldwebel Brommer's Verweigerung ſeiner Ein⸗ willigung zu Sibyllens Verehelichung mit dem kaiſer⸗ lichen Muſikanten mußte ihr Geheimniß ſcheitern; wer hätte verlangen können, daß Sibylle das Glück ihrer ganzen Zukunft opfern und das von ihr bisher treu⸗ lich beobachtete Schweigen fortſetzen ſolle! Kam ihre Verehelichung mit dem Langermann ſchen Neffen nicht jetzt zu Stande, wo er auf Urlaub und zu dieſem Zwecke in Deſſau anweſend war, dann konnten lange Jahre vergehen, ehe er wieder dahin kam. Dieſe Ueber⸗ zeugung mußte zuletzt für Sibylle entſcheidend werden und ſie, wenn ihres Vaters ſtarrer Sinn ſich nicht erweichte, demſelben entdecken, in welchem großen Irr⸗ thum er ſich über ihr von ihm als fahnenflüchtig angeſehenes Benehmen befinde.

Dieſe Vorausſicht bekümmerte Regina außerordent⸗ lich. Zu ihrem größten Leidweſen war ihr geheimer Verkehr mit Hubert ſehr geſtört, dem langen Libuſch nämlich die Gelegenheit entzogen, die Rolle eines Ver⸗ mittlers kleiner Zettel fortzuſetzen. Der Hofgärtner hatte ihm Arbeiten angewieſen, welche ihn an Stellen