Teil eines Werkes 
2. Bd. (1867)
Entstehung
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legenheit wahr, mit Erlaubniß des Geheimraths einen Brief an Doctor Weilenberger mit einzuſchließen. Günſtigere Anknüpfung zu einer Correſpondenz konnte ihm nicht ſo leicht wieder geboten werden, und er war⸗ tete mit Sehnſucht auf Antwort, als ſeiner Berechnung nach die Zeit, eine ſolche zu erhalten, faſt verſtrichen war.

Eine Aufklärung der ihn betreffenden Verhältniſſe mußte ja von höchſter Bedeutung für ihn ſein, und ſie blieb aus. Allmälig füllte eine unbeſtimmte Angſt ſeine Seele. Warum keine Antwort? fragte er ſich und konnte ſich die Frage nicht beantworten. War Doctor Weilenberger vielleicht geſtorben, und wenn dies der Fall, in weſſen Hand gerieth dann ſein Schreiben? Sagte er ſich auch, daß der Doctor viel⸗ leicht warten wolle, bis in ſeiner Angelegenheit irgend etwas von Bedeutung vorgefallen ſei, ſo verſcheuchte dieſe Annahme ſeine Beängſtigung doch nur auf kurze Zeit. Er zitterte bei der Möglichkeit der Vorſtellung, daß es im Plane ſeiner Feinde gelegen haben könne, ihn in Freiheit ſetzen zu laſſen, zum Flüchtling zu machen, um ihn dann um ſo gewiſſer verderben zu können.

Von ſolchen ſchwarzen Phantaſien gefoltert, faßte er den Entſchluß, wieder zurück nach Wien ſich zu be⸗

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