Teil eines Werkes 
3. Bd. (1870)
Entstehung
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die Herzen auf die Zungen gehoben, die laue Mai⸗ nacht mit ihrem glänzenden Sternenheere begünſtigte die fröhlichſte Laune. Wenn je, ſo ſchwamm jetzt Elſe in einem wahren Wonnemeer. Hatte ſie im Anfange auch große Scheu gefühlt, in Geſellſchaft eines ſo vornehmen Herrn zu ſpeiſen, wie der Herzog doch einer war, ſo hatte dieſe Schüchternheit bald dem heitern Muthe weichen müſſen, der ihrem reſoluten und von ein paar Gläſern Wein zur vollen Entfaltung gebrachten Naturell grund⸗ eigen war.

Die Frau Herzogin hatte ihr ein verſiegeltes Papier übergeben mit dem Bemerken, daß ſie Pathe bei dem jungen Weltbürger oder der jungen Weltbürgerin ſein wolle, welchen oder welche die Frau Kaufmännin in einigen Monaten als ihr liebes erſtgeborenes Kindlein in ihre Arme ſchließen werde, und da ſie wegen der großen Entfernung nicht zur Taufe kommen könne, ſo bäte ſie, dies am Tauftage dem Kinde in die Wiege als ein Angebinde von einer treumeinenden Freundin ſeiner Mutter zu legen.

Das ſoll geſchehen, rief Elſe, die keine Ahnung hatte, was der Inhalt des Papiers ſei.Wenn es nur erſt ſo weit wäre, mir wär's lieb. Und was will ich meinem Goldpüppchen von meiner guten, lieben Mamſſell Gomel erzählen!