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legenheit finden, dem Treiben der Zimmerleute zuzuſehen, um ſich ein Bild von der das große Ganze in ſtetem Gang erhaltenden Thätigkeit zu machen.“
Charles von Soubiſe lachte hell auf.„Sehr gut, ſehr gut, mein Freund. Der Hieb ſitzt.“
„Ebenſo bin ich überzeugt, daß Ihnen die wechſeln⸗ den Beleuchtungen durch das Abendlicht nicht mehr be⸗ ſonders gefallen werden, da in der kleinen Wohnung der Plattform gegenüber keine Mademoiſelle Zephanja mehr ciſelirt.
„Ich glaube es auch!“ rief Herzog Charles fröhlich. „Wer die Sonne mit Händen greifen kann, hat nicht nöthig, ſie auf anderer Leute Dächern zu ſuchen. Seien wir Freunde, mein Herr, rechtſchaffene Freunde! Ich habe bei allen meinen Sünden und Fehlern doch eine Tugend, die Ihnen Freude machen wird. Ich ſchätze den Mann nicht nach ſeinem Range oder nach ſeinem Kleide, ſondern nach dem, was er leiſtet und was er ſeinem Herzen nach als Meenſch iſt, und darum bitte ich Sie um Ihre Freundſchaft.“
Wenige Abende ſpäter ſah die Plattform des Ding⸗ linger'ſchen Hauſes eine kleine Geſellſchaft um eine Tafel zu einem freundſchaftlichen Mahle vereint. Der Hof⸗ juwelier und ſeine Gattin, Herzog Charles und ſeine Gemahlin und der Kaufmann Jürg Weber mit ſeiner Frau Kaufmännin ſaßen da und der gute Wein hatte


