Teil eines Werkes 
3. Bd. (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

217

der Fall. Man erzählte ſich das nur unter vier Augen,

wobei man aber überzeugt war, daß ein intereſſantes

Geheimuiß zu Grunde liegen müſſe, in welchem Seiner Majeſtät dem König eine Hauptrolle zufalle, denn er zeichnete die Frau Herzogin bei jeder Gelegenheit be⸗ ſonders vor den andern Damen aus; auch des Königs rechte Hand, Graf Flemming, die Allmacht im Lande, eiferte dieſem Beiſpiele ſeines Gebieters nach, und das war nicht ohne Bedeutung für ſcharf beobachtende wohl⸗ geſchulte Hofmenſchen. Obwohl Flemming Ehrgeiz im reichlichſten Maße beſaß und ſich gern mit der Kenntniß der verborgenſten Dinge am Hofe brüſtete, ſo verſuchte man doch vergeblich, auch nur Andeutungen von ihm über die auffällige Bevorzugung dieſer Dame zu erlangen.

König Auguſt hatte derſelben einen Hinweis auf das Verhältniß gegeben, in welchem ſie zu ihm ſtehe. Dies geſchah bei Gelegenheit der Uebergabe der Schatulle ihrer Mutter an ſie. Zephanja verbarg ihre Freude nicht, dies Erbſtück von der theuren Mutter wiederzuſehen. Sie war in dem Glauben geweſen, es auf der Reiſe nach Rußland verloren zu haben.

Sire, ſagte ſie,es iſt mein größter Reichthum aus jener Zeit, wo ich ſo glücklich war, eine liebende Mutter zu beſitzen.

Ein Reichthum, der Ihnen hohe Zinſen getragen hat