Dies Verfahren trug dem König Auguſt jedoch keines⸗ wegs Ruhm und Bewunderung ein. Die ſchöne, geiſt⸗ reiche Gefangene gewann in ihrem Unglück mehr Freunde, als ſie je in ihren guten Tagen hätte hoffen können.
Ueber dieſem ſo hervorſtechenden Ereigniſſe waren die Folgen des Vorgangs in der Schnecke faſt gänzlich ver⸗ geſſen worden. Nur Wenige erinnerten ſich gelegentlich noch an das, was vor vier Jahren in dieſem Gaſthauſe zum Austrag gekommen, und unter dieſen war Seiner königlichen Majeſtät Stallſchneider Meiſter Krümel der⸗ jenige, der gern davon ſprach, weil, wie er ſich ſehr ſinnig auszudrücken beliebte, er ſo mitten drin in der geheim⸗ nißvollen Geſchichte geſeſſen, ohne daß es ihm an Leib und Leben, Ehr und Gut etwas geſchadet habe. Sein Nachbar Gutbier, der, als das ſein Hirn verwirrende Geheimniß von ſeinem Gewiſſen abgefallen war, wieder geiſtig genas, hatte auf Verwendung der Piſtolengräfin eine Anſtellung in einer kleinen Stadt erhalten, wodurch er in Dresden für immer verſcholl. Zürg Weber war der Einzige, für den der Vorgang in der Schnecke zum wahren Glücke ausſchlug.
Es ging wohl ein Geflüſter in den hohen Kreiſen, daß die Frau Herzogin von Soubiſe keine Fremde in Dresden ſei, aber wie in der Hofluft ſo Vieles erſtickt und unterdrückt wird, ſo war es auch in dieſer Sache
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