Teil eines Werkes 
3. Bd. (1870)
Entstehung
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Könige reiſen ſchnell; ehe noch die Mitternacht des letzten Aprils den Erſtlingstag des Mais gebar, langte König Auguſt in ſeiner Elbreſidenz wieder an. In den vier Jahren war ſo Manches vorgegangen, was in die Kategorie des Außergewöhnlichen gehörte. Die Glanz⸗ tage der Reichsgräfin Coſel hatten ein Ende mit Schrecken gefunden. Wie ihre Feinde ganz richtig vermutheten, hatte ſie in Berlin, nachdem ſie ein anderthalbjähriges Schweigen beobachtet, ſich durch ihren Zorn verleiten laſſen, böſe Reden über König Auguſt zu führen. Man war von Dresden aus klagbar geworden und Friedrich Wilhelm I. verwies ſie nach Halle. So nahe der ſächſi⸗ ſchen Grenze war ſie gleichſam auf einen verlorenen Poſten geſtellt, wo ſie ihren Feinden nicht mehr entgehen konnte; denn obwohl ſie ein ſtilles, ſehr eingezogenes Leben da⸗ ſelbſt führte, mit Niemand außer mit dem treuen van Tinnen in Berührung kam, der ſie nicht in ihrer Noth verließ, wußte man es mittels ſchlauer Machinationen beim König von Preußen durchzuſetzen, daß er ſie an Sachſen auslieferte. Eine Compagnie des Muſterregi⸗ ments des alten Deſſauers nahm ſie eines Nachts in ihrer Wohnung gefangen und wenige Wochen ſpäter brachte man ſie ebenfalls zur Nachtzeit in die Bergfeſte Stolpen, wo ihr der Johannisthurm als Gefängniß an⸗ gewieſen wurde.