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Sorauer Grafenlinie konnte einen Nutzen von dem Dieb⸗
ſtahl der Urkunden ziehen.
Wenn eine Sühnung für Fiekchen noch möglich war, ſo beruhte dieſe in ihrer aufrichtigen Reue. Als ſie nach drei Tagen ihre letzte Stunde kommen fühlte und Jürg an ihr Schmerzenslager trat, ſagte ſie mit leiſer Stimme und ſeine Hand mit den ihrigen umklammernd:„Ich bin nicht ganz verworfen. Der Vater ſchickt mir, ſeiner verlorenen Tochter, ſeine Vergebung durch Dich, den meine ſchwere Sünde zur vater⸗ und mutterloſen Waiſe machte. Das iſt ein Gnadenſtrahl aus Himmelshöhen. Denke meiner mit Milde und Vergebung.“
Und daß Jürg es that, bezeugte ſeine tiefe Er⸗ ſchütterung an ihrem Grabe. Pinetti und das kleine Mädchen, ihr Kind, waren außer ihm die einzigen Leid⸗ tragenden. Am vorletzten Morgen vor des Königs Ab⸗ reiſe von Danzig lief die Meldung ein, daß Junker Oertzen in der vergangenen Nacht bei einem Fluchtver⸗ ſuche durch den Sturz vom Dache in den Gefängnißhof das Genick gebrochen habe. Sein Tod zog für immer den Schleier über eine verbrecheriſche Intrigue zwiſchen den Mitgliedern eines hohen Hauſes.
In König Auguſt'’s Gefolge befanden ſich der Herzog von Soubiſe und ſeine Gemahlin, von welcher der Zaar mit den Worten Abſchied nahm:


