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„Sie wird's gleich erfahren“, flüſterte dieſe zurück.
Der Abend lag dunkel über der Plattform und den Dächern, der Wind hatte ſich ein wenig gemindert. Freundlich war der Anblick, den die in den Wohnungen ringsum und in der Ferne brennenden Lichter und Lam⸗ pen boten, doch keins von den Dreien hatte ein Auge dafür, ſchweigend ſchritten ſie nach dem jenſeitigen Ge⸗ länder.
„Hilaire!“ rief Charles, ſich hinabbeugend, ſeinem Diener zu. Von unten erfolgte Antwort herauf.
Elſe verſteinerte faſt. Ihr ſchon an das tiefe Abend⸗ grau gewöhntes Auge ſah wohl die beiden Leiterſtangen über die Brüſtung hervorragen, ſonſt aber war Alles dunkel. Zwiſchen Charles, und ſeinem Diener wurden noch einige Worte gewechſelt. Zephanja ergriff Elſe's Hand.
„Gott und Sie kennt mein Geheimniß, Niemand weiter“, hob ſie leiſe an und erklärte ihr, daß Charles im dritten Stockwerk des Nachbarhauſes wohne, daſelbſt alſo ihr Aſyl ſei und ſie ſie morgen erwarte.
„Wie will Sie denn da hinunterkommen?“ fragte Elſe ganz kleinlaut.„Sie kann ja in den Hof ſtürzen, Mamſell Gomel. Ich zittere am ganzen Leibe vor Angſt um Sie.“
Charles ſprach einige Worte zu Zephanja; er deutete


