Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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ihr zur Seite auf dem Tiſche liegende Bibel, und indem ſie darin blätterte, ſagte ſie:Es ſpricht Jeſaias der Prophet mit ſcharfen Worten: Wehe denen, die verborgen ſein wollen vor dem Herrn, ihr Vornehmen zu verhehlen, und ihr Thun im Finſtern halten und ſprechen: Wer ſiehet uns? Und wer kennet uns? Nach einer kurzen Pauſe redete ſie dann weiter:Hör' mir zu, Jürg. Die Abtrünnigkeit iſt eine Grube, die keinen Grund hat, wes⸗ halb der, welcher den feſten Boden unter den Füßen ver⸗ loren hat, immer tiefer ſinkt, ſodaß er zuletzt nicht mehr zurück kann, ſondern in der Grube verſchwindet. So iſt's gegangen mit Deiner Schweſter Fiekchen. Ich habe viele einſame Stunden in meinem alten Leben, in ſolchen geht Alles, Großes und Kleines, was ſich mir je vor die Augen gedrängt hat, an mir vorüber. Und darunter iſt auch der Gedanke, daß Fiekchen's Schuld nicht allein in dem Verlaſſen ihres Vaters, ſondern wohl haupt⸗ ſächlich darin beſtehe, daß ſie die Hand gegen des Vaters Ehre und Leben erhoben, ich meine, das Verbrechen, deſſen er bezichtigt wurde, durch ihren Beiſtand erſt möglich ge⸗ worden ſei. Ich habe nichts über dieſen Gedanken ge⸗ äußert, weil die Sache eine lang verjährte iſt; aber weil Du ihn ausgeſprochen, ſo ſage ich Dir, Du biſt es nicht allein, der das denkt. Es gibt vielleicht noch einen Men⸗ ſchen in der Stadt, der ſolcher traurigen Vermuthung