Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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Perſonen zur Seite gehabt haben müſſe, die, vertraut mit der Oertlichkeit und den Verhältniſſen, ſich zur Aus⸗ führung des Raubes hergegeben hätten.

Wie es ſtets zu gehen pflegt, daß ein Gedanke den andern hervorruft, ſo entquoll dieſem ſehr logiſchen Schluß eine Vermuthung, welche Jürg ſchauern machte, weil ſie nur zu ſehr dem Bereich des Möglichen angehörte. Sophie hatte in ihrer blinden Leidenſchaft zu Oertzen nicht nur ihre jungfräuliche Ehre, ſondern auch die Kindesliebe zum Vater vergeſſen, wer bürgte dafür, daß ſie bei dem Documentendiebſtahl nicht Mitwiſſende, vielleicht gar ſelbſt thätig geweſen? Der Junker hatte jedenfalls, um ſein Vorhaben durchzuführen, die Liebſchaft mit ihr, als zu ſeinem Plane gehörend, angefangen. Welch entſetz⸗ liches Gewebe von Schlechtigkeit mußte dieſes Menſchen Seele bergen!

Jürg war von der Möglichkeit, daß ſich Alles wirklich ſo verhalten haben könne, wie erdrückt. Dies Denken lag gleich einer Bergeslaſt auf ihm, und er fühlte das Bedürfniß, einem Andern mitzutheilen, was ſeine reine Seele ſo ſchwer beängſtete. Die Großmutter war die Einzige, der er dies Ungeheure vertrauen zu können glaubte.

Die Greiſin wiegte bedenklich den Kopf und ihrer Gewohnheit gemäß warf ſie dann den Blick auf die ſtets