Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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Mutter eines Sohnes. Ein junger Erbgraf kann unter llen Umſtänden einen Zuwachs zu ſeinen Beſitzungen brauchen, wenn's auch auf Koſten ſeines Geſchwiſterkinds geht. Der Pietismus, dem unſere Sorauer Herrſchaft anhängt, verträgt ſchon dergleichen Bereicherung, meinte der Hofſchneider. 4 Jürg Weber fühlte ſich durch die Kenntniß des ſo bedeutungsvollen Vorgangs in tiefſter Seele erregt. An ſolches ernſte Denken war er nicht gewöhnt, es über⸗ wuchs ihn und koſtete ihm viel Mühe, ſich hineinzufinden, die mancherlei Gedanken, die, oft einander widerſprechend, gleich üppig genährten wilden Schößlingen in ſeinem Hirn wirr durcheinander aufſtiegen, zu ordnen. Ein Gedanke aber drängte ſich allen vor und wurde der Mittelpunkt, um den ſich bald all ſein Denken drehte, der Gedanke nämlich, ob es nicht möglich ſei, daß er, ſoviel an ihm ſei, das Dunkel aufhellen könne, welches die Helfershelfer bei dem Bubenſtücke verdecke; denn die geſunde Vernunft ſagte ihm, daß, wenn zufolge der von der Piſtolengräfin gegen den Junker von Oertzen ſo beſtimmt ausgeſprochenen Beſchuldigungen dieſer wirklich der Böſewicht ſei, welcher die Entwendung der Documente hier am Orte durchge⸗ ſetzt habe und warum ſollte dieſe Vermuthung eine un⸗ zutreffende ſein, da dieſer junge Edelmann ja der Ent⸗ führer ſeiner Stiefſchweſter geweſen? er als Fremder

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