Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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und ihn zur vater⸗ und mutterloſen Waiſe gemacht hatte. Und wenn auch einer darum wußte, würde es ein ſehr ſchlechtes Herz verrathen haben, Jürg mit dieſer Erin⸗ nerung zu kränken. Man hatte den ſtillen, gutmüthigen Jüngling lieb.

Jetzt plötzlich und zum erſten Mal fiel ein Dämmer⸗ ſchein auf das Dunkel dieſes ſcheinbar von jeder Erwäh⸗ nung ausgeſchloſſenen unſeligen Ereigniſſes und es ſtellte ſich daſſelbe als das Getriebe einer finſtern That vor ſeine Augen. Er bebte von Schauer ergriffen und fühlte ſich unfähig, eine Aeußerung ſeines Entſetzens von ſich zu geben. Wie ein jäh zuckender Blitz hatte dieſe Kunde ſein Denken erſchüttert, er war deſſen ungewohnt.

Faſſe Dich, mein Jürg, ſprach die Großmutter. Die Tage und Stunden in unſerm Leben ſind einander ungleich, ſie bringen Gutes und Böſes, es gibt helle und dunkle Tage, und ein heller iſt der heutige für Dich. Iſt's nicht wie ein Wunder anzuſehen, daß Meiſter

Kohren, der der ganzen unglückſeligen Angelegenheit ſo⸗

fern ſteht, hierher kommen mußte, um Licht zu bringen in die Nacht einer Schandthat, die eines rechtſchaffenen Mannes Ehre und Leben vernichtet und die Seinen in Gram und Elend geſtürzt hat?

Dieſe Mahnung der Greiſin brachte den Jürg zur Beſinnung. Der Hofſſchneider erzählte noch Manches,