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Die Großmutter veranlaßte ihn, nachdem ſie ihn mit Jürg bekannt gemacht hatte, dieſem die Scene im Sorauer Schloſſe, deren Ohrenzeuge er geworden, zu erzählen, weil Niemand berechtigter als eben Jürg zur Kenntniß⸗ nahme dieſes ſeltſamen Vorgangs ſei, und es war ſelbſt⸗
enſindiu daß Meiſter Kohren ſofort darauf einging.
Der Erzähler hatte der an ihn ergangenen Aufforderung mit möglichſter Vollkommenheit entſprochen und ſchwieg ſchon, als Jürg wie von einem Traum befangen ihn immer noch anſtarrte. Ihm war es nicht anders, als ſähe er vor ſich das erſte Siegel von einem mit mehreren großen Siegeln verſchloſſenen Buche geſprengt.
Von der Schmach des Verbrechens, die auf ſeinem verſtorbenen Vater haftete, hatte bisher Niemand zu ihm geſprochen. Wer hätte es thun ſollen? Die Großmutter glaubte nun einmar nicht an die ſeinem im Kerkerelend untergegangenen Vater zur Laſt gelegte Veruntreuung und hatte es daher vermieden, dieſes traurigen Ereigniſſes in ſeiner Gegenwart zu gedenken. Es hätte ja keinen Nutzen gehabt. Zürg war jung, heiter, glücklich, warum ihm dieſen Sonnenſchein trüben? Der Kreis ſeiner Bekannten war klein, vielleicht wußte nicht einer derſelben um die ſchreckliche, bereits von einer Reihe von Jahren über⸗ wachſene und in Vergeſſenheit gebrachte Kataſtrophe, welche
das Lebensglück ſeiner Aeltern ſo vollkommen zerſtörte Carion, König Auguſt. I. 12


