Teil eines Werkes 
1 (1870)
Entstehung
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Da ſie die Mantille ein wenig vom Vorderhaupte zu⸗ rückgeſchoben, ſo wurde ihr glattgeſcheiteltes und hinter den Ohren in Locken herabfallendes Haar ſichtbar; es war glänzend ſchwarz, gleich polirtem Ebenholz. Bei längerem prüfenden Anſchauen ihres Geſichtes ſchien es, als trüge daſſelbe einen leiſen Anflug des jüdiſchen Ty⸗ pus, jedoch war dieſe Bemerkung eine zu wenig begrün⸗ dete, um die Vermuthung, ſie ſtamme von jüdiſchen Aeltern, aufkommen zu laſſen, denn auch in ihrem Beneh⸗ men zeigte ſich etwas, das dem leichterregten jüdiſchen Weſen als ſchärfſter Gegenſatz entgegenſtand, eine große Ruhe. Dieſe Tochter des Südens ſchien der Leidenſchaft⸗ lichkeit nicht zugänglich.

Der Zaar fragte nach einer Pauſe:Hätten Sie wohl Luſt, mein Rußland kennen zu lernen?

Man ſagt, es ſei dort ſehr kalt.

Kalt, kalt! Die ſagen es, welche Rußland nicht kennen, entgegnete Peter lebhaft.Seien Sie aufrichtig, Mademoiſelle, man hat Ihnen von Rußland nur bei⸗ läufig geſagt, es ſei kalt, man hat Ihnen andere Dinge von Rußland erzählt, Verleumdungen, Beſchimpfungen. Ge⸗ ſtehen Sie mir das, Zephanja.

Sire, Sie wünſchen es, und ſo ſage ich Ihnen offen, man ſpricht von Rußland als von einem Lande, deſſen Volkszuſtände nicht viel verſchieden ſein ſollen von denen