Druckschrift 
Licht- und Schatten-Gemälde : in gemüthlichen Erzählungen / von M. Freiinn von Callot
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ler wird

s ver⸗ immer

ttilie wankte

ühr ſie

bei der uaͤltes ihrem chbar⸗ durde Zim⸗ leinen n die e bald Hen⸗ m zu Stube ötiſch, flüch⸗ ß ihr

293

lichen Wirklichkeit noch vorzuziehen. Es war jener Brief des Majors, den ſie las; ihres Gatten Verirrung, ſein Verhaͤltniß zu Pau⸗ linen, alles, alles! Zwar fand ſie auch ſein Verſprechen, zuruͤckzukommen, aber ach! Wie viele Monden waren ſeither verfloſſen, und noch war er nicht da! Welting und Ma⸗ rianne fanden ſie vom Weinen erſchoͤpft, halb ohnmaͤchtig. Ihre, durch ſo langen Kummer geſchwaͤchte Geſundheit widerſtand dieſem Schlag nicht, ſie wurde gefaͤhrlich krank, und ſchwebte lange an dem Rande des Grabes. Die zaͤrtliche Pflege ihrer Freun⸗ de entriß ſie zwar dem Tode, doch blieb ein ſchleichendes Fieber zuruͤck, das ſie verzehrte, und mit Schmerzen ſahen ſie ſie ihrer baldi⸗ gen Aufloͤſung entgegen gehen.

Welting, der Ottilien wie ſeine Schwe⸗ ſter liebte, wurde immer aufgebrachter uͤber Mailbergs Pflichtvergeſſenheit. Er ergriff die Feder, um ihn zur Rechtſchaffenheit zuruck⸗ zurufen. Er ſchrieb mit herzzermalmenden Ausdrücken, er mahlte mit Flammenzuͤgen das

Zild ſeiner Vergehungen. Er zeigte ihm die

ſterbende Ottilie und hieß ihn ihren Moͤrder. Er beſchrieb ihm den Jammer der armen Wai⸗ ſen, denen ſeine Untreue die Mutter entriß⸗ Mailberg war erſchuͤttert von der Gewalt