Druckschrift 
Licht- und Schatten-Gemälde : in gemüthlichen Erzählungen / von M. Freiinn von Callot
Entstehung
Einzelbild herunterladen

280

ihres Herzens in ihrem Innern erklang! O ſuͤße Schwaͤrmerei des jugendlichen Gemuͤthes, das dem Eindrucke zaͤrtlicher Sympathie zu⸗

erſt ſich oͤffnet, gleich der jungen Knospe der

Roſe, die dem erſten Hauche lauer Luͤfte die zarten Blaͤtter entfaltet. Mailberg ſah wohl, daß ſie ihn liebte, er war geruͤhrt von der Schwaͤrmerei, mit der ſie an ihm hing, aber ſein Herz war noch nicht ganz losgeriſ⸗ ſen von der ſchoͤnen Undankbaren, deren Auf⸗ enthalt zu erforſchen er noch immer vergeb⸗ liche Muͤhe anwendete. 5 Noch ein Jahr war vergangen, als ſich ein Umſtand ereignete, der Mailbergs Geſin⸗ nungen endlich aͤnderte. Ottilie fuhr einſt mit Henrietten ſpazieren; ſie begegnete dem Baron, der eben nach Feldheim ritt, und man hielt von beiden Seiten an, um ſich zu beſprechen. Es war auf einem hohen Teichdamme, wo die Begegnung geſchah. Das Pferd, welches der Baron ritt, war aͤußerſt lebhaft und un⸗ ruhig, es wollte nicht ſtehen bleiben; er be⸗ ſtrafte es fuͤr dieſe Unart, es wurde ſtützig, baͤumte ſich, ging immer zurüͤck, glitt ploͤtzlich mit den hinteren Fuͤßen uͤber den Damm hin⸗ ab, und ſtuͤrzte mit ihm in das Waſſer. Ot⸗ tilie ſtieß einen fuͤrchterlichen Schrei aus, und ſchnell, ehe man es verhindern konnte, war

24

2ͤcen