Druckschrift 
Licht- und Schatten-Gemälde : in gemüthlichen Erzählungen / von M. Freiinn von Callot
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

verlor, dem ein Schlagfluß ploͤtzlich das Le⸗ ben raubte. Er benachrichtigte ſeinen Vor⸗ mund ſogleich davon, und bat zuruͤckkehren zu duͤrfen, welches ihm auch bewilligt wurde. Selling kam nach P. und alles erſtaunte uͤber den ſchoͤnen, hohen Juͤngling, deſſen gan⸗ zes Benehmen aͤußerſt liebenswuͤrdig war, und von der feinſten Urbanitaͤt zeigte. Eliſe eilte ihm entgegen, und empfing ihn mit der Zaͤrt⸗ lichkeit einer Schweſter, doch mehr empfand ſie nicht, ſo ſchoͤn er auch geworden war. Guſtav war hingeriſſen von Eliſens Aublick, der hoͤchſte Grad von Leidenſchaft tobte in ſeinem Innern, und er konnte den Augen⸗ blick kaum erwarten, wo er ohne Zeugen ſie ſehen, zu ihren Fuͤßen das Geſtaͤndniß ſeiner heiſſen innigen Liebe ablegen, und um Gegenliebe flehen konnte. Dieſe Gelegenheit fand ſich bald, aber Eliſe theilte ſeine Gefuͤhle nicht, mit der edlen Offenheit, welche ihren Charakter bezeichnete, geſtand ſie ihm, daß ſie ihm recht herzlich gut ſey, daß ſie aber von Kindheit an gewohnt, ihn als ihren Bruder zu betrachten, nie andre Gefuͤhle als die ei⸗ ner zaͤrtlichen Schweſter, fuͤr ihn haben werde. Bei der Lebhaftigkeit von Sellings Cha⸗ rakter, kann man ſich denken, welche Wir⸗