218 leidenſchaftliches Wirken. Das Alles zuſammengenom⸗ men macht noch keinen Poeten. Die wahre Poeſie kuͤndet ſich dadurch an, daß ſie, als ein weltliches Evangelium, durch innere Heiterkeit, durch aͤußeres Behagen uns von den irdiſchen Laſten zu befreien weiß, die auf uns druͤcken. Wie ein Luftballon hebt ſie uns mit dem Ballaſte, der uns anhaͤngt, in hoͤhere Regio⸗ nen und laͤßt die verwirrten Irrgaͤnge der Erde in Vogelperſpective vor uns unentwickelt daliegen. Die munterſten, wie die ernſteſten Werke haben den glei⸗ chen Zweck, durch eine gluͤckliche geiſtreiche Darſtellung ſo Luſt als Schmerz zu maͤßigen. Nach dieſer Anſicht zeigen die meiſten engliſchen Gedichte einen duͤſtern Ueberdruß des Lebens.“ Dieſer allerdings aus dem Weſen der Englaͤnder aufgegriffene und richtig ange⸗ gebene Grundzug mußte auch in der neuen Umgeſtal⸗ tung der Poeſie um ſo mehr wieder hervortreten, weil, wie denn ganz Europa nach allen Richtungen hin aus⸗ gelaugt iſt, auch England dem Schickſal, das uns Teutſche traf, nicht entgehen konnte. Nachdem naͤm⸗ lich bei uns mit der Sittenreinheit das Große, Hei⸗ tere aus dem öffentlichen und beſondern Leben getreten, und dem ganzen Laſtertroß der Selbſtſucht, der Ueppig⸗ keit, dem Raub, dem Wucher, dieſer Peſt⸗ und Eiter⸗ beule Europa's, gewichen, beſſere That aber und beſſe⸗
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