8*
199
wuͤhlſt mir in den Haaren, als ob Du Unkraut aus⸗ gäten wollteſt.“
„unvorſichtiges Mädchen!“ fuhr die alte Sklavin fort,„weißt Du nicht, wie empfindlich Deine Ge⸗ bieterin iſt?— Du glaubſt wohl das dicke Pferde⸗ haar der Wittwe Fulvia unter Händen zu haben?— So, jetzt winde das Band um die Friſur.— Blicke in den Spiegel, ſchoͤne Julia, ſahſt Du je etwas Schoͤneres, als Dich ſelbſt?“—
Als endlich nach vielen Bemerkungen der kunſt⸗ liche Thurm mit unendlicher Muͤhe vollendet war, wurden die Augenlider und Augenbraunen mit einem ſchwarzen Pulver beſtrichen, und dadurch den Augen jener ſanfte und ſehnſuchtige Ausdruck gegeben, den man im Morgenlande noch jetzt durch dieſe Vorrich⸗ tung ihnen zu verleihen pflegt; ein kleines Schoͤn⸗ pfläſterchen, in der Form eines halben Mondes ge⸗ ſchnitten, und auf geſchickte Weiſe neben den roſig⸗ ten Lippen angeheftet, zog die Aufmerkſamkeit auf die Grübchen in den Wangen, und auf die Zähne, deren naturlichen Glanz zu erhöhen, bereits alle moͤgliche Sorgfalt aufgewendet worden war.
Einer andern, bisher unbeſchaͤftigten Sklavin wurde jetzt das Amt uͤbertragen, ihrer Gebieterin die Juwelen anzulegen— die Ohrringe mit Perlen(zwei fuͤr jedes Ohr), die maſſiven goldenen Armbänder; die Halskette aus demſelben Metall, an der ein in Kryſtall geſchnittener Talisman ſich befandz die ſchone


