Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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„Philipp, Philipp Lang! wo biſt Du, Mann? warum verläßt Du Deinen Herrn und gibſt ihn vielleicht dem Dolche eines Meuchelmörders preis?“

Der vertraute Kammerdiener des Kaiſers ſchlüpfte hinter einer der Säulen hervor und ſtand in unter⸗ thäniger Haltung neben ſeinem Gebieter.

„Was ſteht zu Ew. Majeſtät Befehl? ſoll ich durch den verdeckten Gang vorangehen nach Ew. Majeſtät Zimmer, und wollen Sie ſich jetzt endlich zur Ruhe begeben?“

„Höre, Lang,“ ſagte der Kaiſer, und legte die ſchmale Hand auf die Schulter ſeines Dieners,„ſchau, wie die Morgenſonne ſo wundervoll durch dieß Fenſter ſcheint, wüßten wir nur, daß unſere Feinde und Neider noch ſchliefen, wie gerne möchten auch wir einmal das Glück genießen, unſern Leib im goldenen Licht⸗ ſtrahle zu baden.“

„Es iſt ſpät und Ew. Majeſtät iſt die Ruhe noth,“ entgegnete Lang,„in den Gärten wanken ſicherlich ſchon Menſchen, und wer kann wiſſen, ob die Wachen Ew. Majeſtät ſo achtſam ſind, als ſie ſein müßten, um Ihr koſtbares Leben gegen Meu⸗ chelmord zu ſchützen.“

„Wahr! wahr!“ ſeufzte der Kaiſer,„o meine Brüder! meine Brüder! was hab' ich Euch gethan, daß Ihr mich alſo verfolgt!— aber komm, Lang, wir wollen uns zur Ruhe legen und Gott bitten, daß Er uns in ſeinen Schutz nehme.“

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