Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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ſtand in ſo ganz anderem Verhältniſſe, hatte ſo ganz andere Gewohnheiten als ſeine Verwandten, mit de⸗ nen er jetzt wieder in nähere Verbindung getreten. Faſt ſchien es ihm, daß er die Frau betrüge, indem er ihr ſeinen Adelsbrief mitbringe.

Ja! er war der Enkel des Bürgermeiſters von Weil, des Sehald Kepler; aber er war der Sohn Hein⸗ rich Kepler's, des Vagabunden, und der Katharina Guldenmann, der Marketenderin.

Er ging am Tage nach ſeiner Ankunft zu Frau von Mühleck, ihr noch einmal alle ſeine Familienver⸗ hältniſſe auseinander zu ſetzen. Als er mit bebender Stimme ihr ſagte, daß er zu ehrlich ſei, um ſie zu einem Ehebunde bewegen zu wollen, in dem ſie künf⸗ tig vielleicht ſich unglücklich fühlen würde, rückte ſie von ihm weg und antwortete ſehr kühl:

Sagen Sie es nur rund heraus, Herr Ma⸗ giſter, was ich doch ſchon ſo ziemlich weiß, Sie möch⸗ ten Ihr Verſprechen zurückhaben, weil ich nicht ſo reich bin, als Sie gemeint.

Kepler blickte ihr erſchreckt in die ſchönen zor⸗ nigen Augen.Ich will von Ihrem Verſprechen kei⸗ nen Gebrauch machen, damit Sie nicht ſpäter glauben mögen, ich habe Sie getäuſcht, ſagte er;erſt dann, wenn Sie alle meine Verhältniſſe, die zumtheil