Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Solcher Seele, wie der Mutter, ſo dürſtend nach Liebe und gepeinigt von dem Bewußtſein, ſie nicht ver⸗ dient zu haben, iſt manchmal ein freundliches Wort eine größere Erquickung, als eine freundliche Hand⸗ lung. Meine Schweſter, das vierte Gebot iſt das einzige, was eine Verheißung hat.

So ſchieden die Geſchwiſter. Kepler hatte in ſeinem Schwager einen Geiſtlichen kennengelernt, wie die meiſten jener Zeit, feſt in dem Glauben, den einzig richtigen Schlüſſel des Himmelreichs zu beſitzen, ohne beſondere andere Intereſſen als die an theologiſchen Spitzfindigkeiten, und übrigens einen herzensguten Mann, der ſeine junge ſchöne Frau aufrichtig lieb hatte und einfältiglich ſich in ſeinem Amte an den Spruch des Apoſtels hielt: ‚Wer den Altar bedient, ſoll vom Altare leben.

Im Beſitz aller Papiere, die ſeine adelige Abkunft dokumentirten, langte er nach ſechswochent⸗ licher Abweſenheit in Grätz an und freute ſich, ſeine Zimmerchen betretend, ſeine Inſtrumente und Bücher, ſein einfaches Hausgeräth und ſeine gewohnten Be⸗ ſchäftigungen wiederzufinden.

Bei dem Gedanken, ſeine ſchöne Braut zu ſehen, befiel ihn eine Art von Scheu, der er eigentlich kei⸗ nen Namen zu geben wußte. Frau von Mühleck

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