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ſie habe auch in Leonberg einen Sohn, ſie zu be⸗ ſchützen, und deſſen Verhältniſſe paßten beſſer für ihre Gewohnheiten, als die des gelehrten Mathe⸗ matikers, der eine vornehme Frau heiraten wolle. Es lag in dieſer Bemerkung ſo viel Wahrheit und geſunder Sinn, daß Kepler ſie durchaus nicht für eine Beleidigung nahm. Die feine ſtolze Frau von Mühleck und Katharina Kepler, der man es anſah, daß ſie das Regiment ihres Mannes einſt als Marke⸗ tenderin begleitet, hätten allerdings eine ſeltſame Hausgenoſſenſchaft gebildet, deren größere Laſt un⸗ zweifelhaft dem gebildeteren Theil zugefallen wäre. „Es iſt dabei nichts zu thun, Gretelchen, liebe Schweſter, als Gott zu bitten, daß er alles zum Beſten lenkt,“ ſagte Johannes.„Sehr zu beklagen iſt unſere arme Mutter, weil ſie ſo heiß danach verlangt, geſchützt und geliebt zu werden, und doch nicht ver⸗ ſteht, ſich Achtung und Liebe zu erwerben. Wir, ihre Kinder, haben die Verpflichtung, ihrem armen Her⸗ zen Beruhigung zu geben, indem wir ihr alle nur mögliche Achtung und Liebe erweiſen. An mir ſoll es nicht liegen, daß ſie nicht zufrieden geſtellt werde, und wie ich Dich kenne, wirſt Du auch für ſie thun, was in Deinen Kräften ſteht, und es auch an freund⸗ lichen und liebevollen Worten nicht fehlen laſſen.


