Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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träumeriſche Jüngling einſt wie eine Gottheit verehrt hatte, ſie ſelbſt aber war nichts weniger als eine Gott⸗ heit, ſie war ein gutes, freundliches Weib, das ihm wohlwollte, ſich eifrig mit ihrem Putze beſchäftigte und zu ihm gern von ihren vornehmen Verwandten ſprach. Auch zweifelte Kepler keinen Augenblick daran, daß ſeine künftige Hausfrau die Pflichten, die ihr als ſolcher obliegen mußten, treu und gewiſſenhaft erfüllen würde, indem ſie ihm die Sorge für alle ſeine leiblichen Bedürniſſe abnähme. Der gelehrte Magiſter hielt dieß für das hauptſächlichſte Glück der Ehe, gleichſam für das Ablöſen einer Feſſel, in der ſeine unſterbliche Seele ſich befände, deren edle Thätigkeit der Leib mit ſeinem Hunger und Durſt, mit der Nothwendigkeit, an Kleider, Wäſche, Schuhe und Mäntel zu denken, nur zu oft ſtöre.

Jeder Weg nimmt endlich ein Ende und auch Kepler gelangte nach Magſtatt, wo er ſeine theuere mütterliche Freundin in ſeine Arme ſchloß.

Meiſter Wellinger war jetzt ein alter Mann mit gekrümmtem Rücken, weißem Haare und vielfach durchfurchtem Geſichte. Der alte Oheim Gulden⸗ mann war geſund und kräftig, und ſein geröthetes breites Geſicht ſah aus wie ein hübſcher Winterapfel, während Apollonia, was das Aeußere betraf, all⸗ 45*