Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Frau Katharina wußte nicht recht, ob ſie über den Abſchied von ihrem Erſtgeborenen weinen, oder ſich freuen ſollte wegen des ihm zutheil geworde⸗ nen ehrenvollen Glückes. Ihr kluger Knabe ſollte jetzt Gelegenheit erhalten, ein großer Gelehrter, ein Meiſter aller Wiſſenſchaften zu werden, und der gnä⸗ dige Herr Herzog hatte ihn ſelbſt dazu beſtimmt.

Katharina Kepler hatte eine dunkle Ahnung davon, daß Wiſſen Macht ſei, obgleich ſie von dem, was das Menſchengeſchlecht in jener Zeit wußte und der Einzelne durch treues Arbeiten erlernen konnte, nur eine ſeltſame und höchſt verworrene Vorſtellung beſaß.

Das kleine Gretchen weinte bitterlich, als man ihr begreiflich machte, daß Johann zurückbleiben müſſe, während ſie mit den Eltern und den beiden andern Brüdern weit, weit fortgehen würde. Heinrich und Chriſtoph aber fanden in dem Ereigniß weder etwas beglückendes noch beklagenswerthes. Ihr zarter ſtiller und ſanfter Bruder war in ihren wie in des Vaters Augen nichts anderes, als ein blöder Duck⸗ mäuſer zu nichts gut, als in Büchern zu leſen.

Für den Knaben Johann war es unbezweifelt ein Glück, daß die Trennung von ſeiner Familie mit der Abreiſe derſelben zuſammenfiel. Seine Kleidung und