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„Schlaf wohl, Muhme Elsbeth, meine alte Freundin,“ ſagte Louiſe und küßte die erkalteten Lippen und ſchloß mit freundlicher Hand die halb geöffneten Augen,„ſchlaf wohl und erwache im Him⸗ mel, an den Du geglaubt.“
Nacht und Einſamkeit umgaben das junge Mädchen neben der Leiche mit ihren düſtern Schleiern. Sie wußte, daß das ganze Haus ſchlief und trat ans Fenſter, öffnete es und ſchaute hinaus nach dem ſternbeſäeten Himmel. Ein leiſer Wind fluͤſterte in den Zweigen der noch unbelaubten Bäume, eine Nachtigall ſang im knospenden Fliederbuſch des Gar⸗ tens. Louiſe ſtützte den Kopf in die Hand und tau⸗ ſend Gedanken flatterten durch ihre junge Seele.
Wo war ihr Vater? ihr theuerer, weiſer, gütiger Vater? wo war Fritz? der Jüngling, mit dem ſie ein Band verknüpfte, deſſen Exiſtenz niemand von den Ihrigen kannte. Welche hohe Verpflichtungen legte dieß Band ihr auf, in welche ſeltſamen und ſchmerzlichen Conflicte konnte es ſie noch verwickeln!
Als ein Kind hatte ſie einem andern Kinde das Verſprechen gegeben, ihm für Zeit und Ewigkeit an⸗ zugehören. Seit Jahren hatte ſie den Jüngling nicht geſehen, die wenigen Briefe, die ſie von ihm empfan⸗ gen, zeugten zwar deutlich von der Güte und Red⸗
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